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Bistum Fulda
 

Das Wort Gottes richtet sich an jeden Einzelnen

Erstes Hirtenwort des neuen Fuldaer Bischofs verlesen

Fulda (bpf). „Das Wort Gottes richtet sich an eine Person und wird von einem ‚Du‘ verstanden, weil es auf eine tiefe Sehnsucht in diesem Menschen trifft: Ich möchte angesprochen werden, ich möchte gemeint sein, ich will ein Gegenüber erleben, dem es um meinen Weg geht.“ Dies betont der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber in seinem ersten Hirtenwort, das am Dreifaltigkeitssonntag, 16. Juni, in den Gottesdiensten der Diözese verlesen wurde. Zwei entscheidende Hinweise für den Weg der Kirche in die Zukunft sieht der Oberhirte darin, dass Menschen an konkreten Orten Glaubenserfahrungen machen und dass Gott die Sehnsucht des Menschen nach persönlicher Ansprache stillt. Dieser Maßstab Gottes müsse auch der Maßstab für die kirchliche Glaubenskommunikation in den Gemeinden sein.

 

Wertvolle Glaubenserfahrungen für die Zukunft


Bischof Gerber ruft die Gläubigen dazu auf, die Orte, an denen ihr Glaube gewachsen ist, ernst zu nehmen und die wertvollen Erfahrungen zu behalten, die sie an diesen Orten gemacht haben. Sie sollten offen dafür sein, wenn Gott sie an diesen oder an neuen Orten in bislang unbekannter Weise herausfordern wolle. Die Glaubensorte und die tiefe Sehnsucht nach persönlicher Ansprache sind laut Bischof Gerber wertvolle Erfahrungen, die sich für die Zukunft als tragfähig erwiesen. Im Sakrament der Taufe feiere die Kirche diese beiden Grunderfahrungen. Gott berufe einen Menschen an einem konkreten Ort und als Person, die er anspreche. „Das ‚Jahr der Taufberufung‘, in dem wir als Bistum derzeit stehen, lädt uns ein nachzuforschen, was aus dieser Grunderfahrung Zeit unseres Lebens geworden ist.“ Man müsse sich fragen, wie man sich auf seinem Weg als Getaufter als beim Namen gerufen erfahre, welches Ereignis des eigenen Lebens einen nachhaltig bewege und wo man erlebe, dass es um das eigene Wachstum als Christ gehe.

 

Austausch über den eigenen Glauben


Die Gläubigen lädt der Bischof ein, in einer Zeit ungestörten Nachdenkens nach den Menschen zu fragen, die für ihren persönlichen Glaubensweg wichtig waren, und den Erfahrungen auf den Grund zu gehen, die ihnen einen tieferen Zugang zum Glauben erschlossen haben. Des Weiteren sollten sie als Paar, in der Familie oder in Gruppen und Gremien einander von solchen Erfahrungen erzählen. Oft seien Persönlichkeiten prägend, die Fragen aushalten könnten und die sich über eine unerwartete Perspektive begeistert zeigten. „Geprägt hat mich auch das Zeugnis von Menschen, denen der Glaube entscheidend half, existenzielle Herausforderungen zu bewältigen, daran zu wachsen und nicht zu zerbrechen.“ Was man in solch einem Austausch miteinander entdecke, könne für den weiteren Weg der Kirche sehr wichtig sein. Unabhängig von den konkreten Situationen könnten jene Haltungen und atmosphärischen Prägungen in anderer Zeit und in anderem Kontext bedeutsam werden. „So können heute Menschen unserer Kultur – wie zuvor wir selbst – tiefer zum Glauben finden. Hier liegt ein Schlüssel von Kirchenentwicklung“, zeigt sich der Bischof überzeugt. „Die so erfahrene Nähe zu Jesus Christus hilft uns, anders mit den Aufgaben und Herausforderungen des Lebens umzugehen – auch mit den Aufgaben und Herausforderungen von Kirchenreform.“

 

Begonnener Prozess „Bistum 2030“


Bischof Gerber verweist in seinem Hirtenwort auf zwei Arten von Entscheidungsprozessen in seinem Bistum in den kommenden Monaten. Es geht ihm nicht nur um die Frage nach der inneren Einstellung, mit der fruchtbar der Weg als Kirche zu gehen ist, sondern auch um größere Weichenstellungen im Bistum, die er zu Beginn seines Hirtenwortes angesprochen hat. Der Oberhirte zeigt sich dankbar für die vielen Menschen, die sich mit großer Leidenschaft für den Dienst an Gott und seinem Volk einsetzen. Er würdigt den von seinem Vorgänger Bischof Heinz Josef Algermissen angestoßenen Prozess „zusammen wachsen – Bistum Fulda 2030“ und betont: „Gerne mache ich mir diesen Prozess und seine Anliegen zu eigen und werde ihn nach Kräften fördern.“ Dieser Weg der vergangenen Jahre habe sowohl Hoffnungen als auch Ängste ausgelöst. „Die einen erfahren, wie neues Leben in den Gemeinden wächst und erzählen begeistert davon, bei anderen überwiegt die Frustration und die Enttäuschung, dass sich Hoffnungen nicht erfüllt haben.“ Beides gelte es als Teil der einen Wirklichkeit ernst zu nehmen.

 

Kirche in einer Welt im Wandel


„Wir befinden uns gesellschaftlich in einem epochalen Wandel. Charakteristisch dafür ist eine radikale Pluralität von Lebensformen. Dies bringt die Herausforderung mit sich – gerade für die junge Generation – stetig neue Entscheidungen treffen zu müssen. Zugleich erleben wir eine große Verunsicherung angesichts der globalen politischen Situation.“ Dass die Kirche sich in einer großen Glaubwürdigkeitskrise befinde, habe sie in diesen Monaten genau analysiert. Auf diözesaner wie auch auf nationaler Ebene stelle sie sich in konkreten Schritten neu den Fragen der Prävention und der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Eine wichtige Frage sei, in welcher Gestalt von Kirche es den Weg in die Zukunft zu gehen gelte, aber auch die, wie die Kirche lebendig mit dem Ursprung und dem Zeugnis durch die Jahrhunderte verbunden sei. „Wie begreifen wir uns als Teil der universalen Kirche und damit als weltweit vernetzt mit unseren Schwestern und Brüdern?“ Auch der hl. Bonifatius habe sich schon mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Der Bischof unterstreicht, er könne die Ungeduld der Menschen gut nachvollziehen. Denn es genüge nicht, Fragen zu stehen, sondern es brauche auch Antworten zum künftigen Kurs des Bistums. „Ich erlebe Menschen, die ihr künftiges Engagement in unserem Bistum auch davon abhängig machen, wie entschieden wird, wie sie beteiligt werden und ob die anstehenden Schritte als leistbar wahrgenommen werden.“

 

Weichenstellungen in vier Bereichen


Bischof Gerber hebt hervor, dass es spätestens im kommenden Jahr in vier größeren Bereichen Weichenstellungen geben werde. Grundlegend sei es, dass der Entscheidungsweg als ein wahrhaft geistlicher Weg gegangen werde. Es gelte, die Gegenwart und das Handeln Gottes im Hören auf das Evangelium und im Deuten der „Zeichen der Zeit“ zu erkennen. Kirchliches Leben müsse als das wahrgenommen werde, was Gott mit den Menschen tue. Sodann stelle sich die Frage nach der Ausgestaltung der größeren seelsorglichen Einheiten als „Netzwerke pastoraler Orte“, die sich vielfach der Selbstorganisation der Christen verdanken und zu einer Einheit zusammengeführt werden müssen. In diesem Zusammenhang bedürfe es ferner einer neuen Ausgestaltung des Leitungsdienstes, indem man nach dem Spezifischen des priesterlichen Dienstes und der Leitungsverantwortung von Laien frage. Schließlich stelle sich die Frage, welche bisherigen Pfarreien künftig gemeinsam die untere pastorale Ebene bildeten, auf der das kirchliche Leben gestaltet werde. „Es geht um einen Kulturwandel. Das kann Ängste auslösen“, gibt der Bischof zu bedenken. Man frage sich, ob man Liebgewonnenes verliere und womöglich die falschen Entscheidungen treffe.

 

In guter Gesellschaft mit Frauen und Männern des Evangeliums


Auch die Frauen und Männer vom See Genezareth, die Jesus nachfolgten, hätten vor Ostern keine Vorstellung davon gehabt, was auf sie zukommen würde, so Bischof Gerber. „Sie hatten keine Ahnung davon, dass sie gefordert waren, die ihnen vertraute Landschaft und Kultur zu verlassen, um das Evangelium in die Großstädte des römischen Reiches zu bringen.“ Die ihnen noch fremde städtische Kultur hätten sie dort als faszinierend und bedrohlich zugleich erlebt. Nach den Erlebnissen in Jerusalem traten sie den Rückzug an und flüchten sich in die ihnen vertraute Welt der Fischer am heimatlichen See. Es falle einem nicht schwer, in den Worten des Evangeliums Erfahrungen der heutigen Gemeinden zu erkennen. Auch Petrus, zunächst frustriert, erkenne erst in der Berührung mit dem auferstandenen Herrn seinen Auftrag, die Liebe zu Jesus Christus und sein Evangelium in der Kultur seiner Zeit zu leben und zu verkünden. „Gefordert ist der Sprung ins kalte Wasser im Vertrauen darauf, dass es Jesus, der Auferstandene, ist, der am Ufer auf uns wartet.“

15.06.2019


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